< zurück

ROI für MES

September 21, 2020

ROI für MES

"Wenn Sie den Erfolg Ihrer digitalen Strategie messen wollen, versuchen Sie einfache KPIs zu finden und verlieren Sie dabei nicht die Grundlagen aus dem Auge. Im Fokus sollten vor allem die Verbesserung von Nachhaltigkeitszielen stehen – die Verringerung des Energieverbrauchs, die Vermeidung von Abfall, die Auswirkungen auf die Umwelt sowie die Einhaltung von Qualitätszielen. Ermitteln Sie auch den Aufwand hinsichtlich der Risiken, Rückrufaktionen und Erfüllung von Compliance-Anforderungen. Ebenso die Nutzeneffekte durch einen verbesserten Kundendienst und die Verringerung von Beschwerden sollten bewertet werden."

Auszug aus eBook: Finding the ROI in Industrie 4.0 Projects, MESA International Mai 2019

ROI: Return on Investment (Kapitalrendite): Dies ist ein Standard-Kriterium für die Bewertung der meisten komplexen oder kostenintensiven Vorhaben, bei denen die Faktoren Zeit, Geld und Personal eine Rolle spielen der Erwerb von neuen Betriebsmitteln, Investition in eine neue Produktionslinie oder ein Softwareprodukt, das große Auswirkungen auf der Unternehmensebene nach sich zieht, wie etwa ein ERP- oder MES-System.

Für IT-Projekte ist eine Überprüfung des ROI ein Muss. Laut der Schätzung von Ernst & Young, haben 79% der Unternehmen bereits im Jahre 2002 eine ROI-Analyse ihrer IT-Investitionen vorgenommen.

Warum also eine ROI-Berechnung durchführen? Einige der Gründe dafür sind:

  • Sie dient als Grundlage für eine effektive Verkaufsstrategie für leitende Angestellte.
  • Sie erlaubt Ihnen, Grenzwerte für die Investitionskontrolle festzulegen (beispielsweise werden nur Projekte berücksichtigt, die einen ROI von mindestens 190 Prozent erzielen).
  • Sie fördert ein besseres Verständnis der wirtschaftlichen Auswirkungen von Investitionen, denn es ist unmöglich, eine ROI-Analyse durchzuführen, ohne die möglichen finanziellen Auswirkungen auf die Kosten- und Ertragsgenerierung zu verstehen.
  • Sie erleichtert die Priorisierung von Investitionen, indem ein Vergleich zwischen den Investitionsmöglichkeiten anhand von verschiedenen Projekten vorgenommen wird. Die Beteiligten können sich dabei gezielt auf die immateriellen Vorteile konzentrieren.
  • Sie bewirkt eine gewisse Bereitschaft seitens der Anbieter und Entscheidungsträger, die Forderungen nach wirtschaftlichen Effekten anhand eines quantifizierbaren Ansatzes zur Begründung von Geschäftspraktiken zu belegen.
  • Schließlich sorgt sie für die Durchsetzung der finanziellen Verantwortlichkeit des Projektleiters (oder Sponsors) für den Erfolg oder Misserfolg des Projekts.

Gerade beim Einsatz eines MES ist es äußerst kompliziert, da hier eine funktionsübergreifende Rollenverteilung erfolgt, und Entscheidungen werden an unterschiedlichen Stellen getroffen. Wie MESA (Manufacturing Enterprise Solutions Association) an dieser Stelle verdeutlicht, gibt es mehrere Interessenvertreter in den verschiedenen Bereichen, die von MES betroffen sind. Jede ROI-Bewertung eines MES muss daher einerseits die Bedürfnisse dieser Interessengruppen und andererseits die Mittel zur Messung der Investitionsrendite eines spezifischen Bereichs oder einer Abteilung abbilden.

Die herkömmlichen Methoden zur Berechnung des ROI sind einfach: Wie viel investieren Sie? Wie lange dauert es, bis Ihre Investition sich amortisiert hat? Und wie hoch sind die Opportunitätskosten, die anfallen, wenn das Geld nicht verwendet wird und auf der Bank verbleibt oder wo auch immer es aufbewahrt wird? Liegt der Kapitalertrag über den Opportunitätskosten, die entstehen, wenn man die finanziellen Mittel nicht in Anspruch nimmt, kann das Projekt beginnen, und Sie können loslegen.

Aber was ist, wenn der ROI nicht erkennbar ist? Wenn es noch andere Mittel und andere Bereiche gibt, die positiv beeinflusst werden können und die nicht in die Berechnungen miteinbezogen werden? Dann müssen Sie die "harten" ROI-Zahlen anwenden, die durch "softe" Zahlen wie Mitarbeiterzufriedenheit, Engagement, Unternehmenskultur ergänzt werden.

Es gibt zahlreiche Artikel und Online-Erwähnungen zum Thema ROI für MES.

Wie können Sie die wahre Kapitalrentabilität eines MES ermitteln und wie sollte diese aussehen?

ZUNÄCHST ZU DEN GRUNDLAGEN: BEDEUTUNG VON MES

Sowohl MESA International als auch Gartner Group haben nützliche allgemeine Inhalte zur ROI-Berechnung von MES.

Im Jahr 2013 veröffentlichte MESA in Zusammenarbeit mit der Gartner Group eine Marktuntersuchung unter dem Titel Metrics That Matter, the ROI of MES, die zum Mai 2019 aktualisiert wurde. Im Rahmen dieser Marktuntersuchung werden die wichtigsten Aspekte des ROI, einschließlich der Auswirkungen, Vorgaben und der erwarteten Ergebnisse untersucht.

MESA zeigt zahlreiche Vorteile auf, wobei die Betriebsauswirkungen, Unternehmenskultur- oder Personalverbesserungen und sowohl quantitative (Durchsatz, Lieferkette und NPI) als auch qualitative Aspekte (Mitarbeiterzufriedenheit, verbesserte Entscheidungsfindung) berücksichtigt werden.

Die Einflüsse und der Nutzen des MES lassen sich aus unserer Sicht in vier Kategorien einteilen:

  • Agilität
  • Produktivität
  • Qualität
  • Einhaltung regulatorischer Vorgaben (Compliance)

Die nachfolgend aufgeführten Kategorien bilden ein Grundgerüst, welches Sie für die ROI-Berechnung verwenden können, wobei auch eine Anpassung an Ihren speziellen User Case notwendig ist. Mit der MES-Implementierung lässt sich der Nutzen kumulativ berechnen und ist somit wiederkehrend.

ROI: VERBESSERUNG VON AGILITÄT

Zu dieser Gruppe zählt der Nutzen, der mit dem Zeit- und Kostenaufwand für die Einführung neuer oder geänderter Produkte und Verfahren einhergeht.

ZEIT UND KOSTEN FÜR DIE EINFÜHRUNG NEUER ODER GEÄNDERTER PRODUKTE UND PROZESSE

Verbessert durch:

  • Flexible Stammdaten-Konfiguration
  • Flexible Definition und Umsetzung von Geschäftsregeln
  • Unternehmensweite Umsetzung und Ausführung von Geschäftsprozessen
  • Schnelle Personalschulung anhand intuitiver Bildschirmanzeigen

Nutzenberechnung: Kosten der Einführung neuer oder modifizierter Produkte und Prozesse ohne MES + Wert der eingesparten Arbeitszeit (hinsichtlich der Markteinführungszeit).

ROI: PRODUKTIVITÄTSSTEIGERUNG

Der Nutzen der Produktivitätssteigerung hängt vom Produktionsvolumen, den Kosten, der Reduzierung von WIP-Beständen und der Durchlaufzeit ab.

PRODUKTIONSVOLUMEN

Verbessert durch:

  • Höheren Automatisierungsgrad
  • Terminierung und Einplanung (Disposition)
  • Echtzeit-Status und Transparenz
  • Proaktive Maßnahmen und Alarme (z.B. Lagerbestände, Ablaufdaten, Wartungsarbeiten)
  • Industrial Engineering (inkl. Overall Equipment Effectiveness - OEE), Datenanalyse, Benchmarking

Nutzenberechnung: Wert des zusätzlichen Produktionsvolumens

KOSTEN

Verringert durch:

  • Papierlose Fertigung
  • Höheren Automatisierungsgrad
  • Fertigungskostenanalyse, Benchmarking

Nutzenberechnung: Eingesparte Kosten

WIP-BESTÄNDE (Work-in-Progress)

Verringert durch:

  • Höheren Automatisierungsgrad
  • Terminierung und Einplanung (Disposition)
  • Echtzeit-Status und Transparenz
  • Industrial-Engineering-Datenanalyse, Benchmarking

Nutzenberechnung: Wert der Zinsen auf das eingesparte Geschäftskapital + Wert des eingesparten physischen Raums und der (Reserve-)Lagerorte

DURCHLAUFZEIT

Verringert durch:

  • Höheren Automatisierungsgrad
  • Terminierung und Einplanung (Disposition)
  • Echtzeit-Status und Transparenz
  • Industrial-Engineering-Datenanalyse, Benchmarking

Nutzenberechnung: Wert der verkürzten Abwicklungszeit für den Kunden + Wert der erzielten Einnahmen

ROI: QUALITÄTSVERBESSERUNG

Der Nutzen von Qualitätsverbesserungen ist mit der Verbesserung des Ertrags, der Produktleistung sowie der Kundenzufriedenheit verbunden.

PRODUKTIONSERTRAG

Verbessert durch:

  • Analyse von Prozess- und Maschinendaten, Benchmarking
  • Online-Prozesskontrolle (anhand von SPC oder einer anderen Art der Prozessüberwachung)
  • Durchsetzung von Geschäftsprozessen (z.B. Stichproben, Wartung)
  • Höheren Automatisierungsgrad
  • Verringerung manueller Fehler
  • Rechtzeitige Eingrenzung von Prozess- oder Maschinenabweichungen mit vollständiger Rückverfolgbarkeit bis zum betroffenen unfertigen Erzeugnis (WIP)

Nutzenberechnung: Wert der Ertragsverbesserung x Volumen

PRODUKTLEISTUNG

Verbessert durch:

  • Analyse von Prozess- und Maschinendaten
  • Benchmarking

Nutzenberechnung: Wert der Verbesserung von Produktleistung x Volumen

PÜNKTLICHE LIEFERUNG

Verbessert durch:

  • Terminierung und Einplanung (Disposition)
  • Echtzeit-Status und Transparenz

Nutzenberechnung: Wert der Kundenzufriedenheit aufgrund pünktlicher Lieferungen

PRODUKTRÜCKGABEN DURCH KUNDEN

Verringert durch:

  • Online-Prozesskontrolle (mit SPC oder einer anderen Art der Prozessüberwachung)
  • Durchführung von Tests und Inspektionen

Nutzenberechnung: Kosten jeder vermiedenen Produktrückgabe + Wert der Kundenzufriedenheit und -bindung

ROI: EINHALTUNG GESETZLICHER VORSCHRIFTEN (COMPLIANCE)

Diese Kategorie umfasst Aspekte im Zusammenhang mit der verbindlichen Einhaltung von Länder- und/oder Industriebestimmungen (wie z.B. FDA 21 CFR Part 11 für Medizinprodukte in den USA oder die MDR-Bestimmungen der EU für Europa).

EINHALTUNG REGULATORISCHER VORSCHRIFTEN (COMPLIANCE)

Unterstützt und verbessert durch:

  • Durchsetzung von Geschäftsprozessen und Vorschriften
  • Elektronische Erfassung und Rückverfolgbarkeit
  • Digitalisierung von Papierdokumentation
  • Umsetzung von Good Manufacturing Practice
  • Erfassung von E-Signaturen

Nutzenberechnung: Kosten der Einhaltung regulatorischer Vorschriften (Compliance) ohne MES-Einsatz

ROI-KOSTEN

Für die Berechnung eines realistischen ROI-Wertes müssen die Gesamtkosten der Lösung und jeder neuen oder zusätzlichen Infrastruktur berücksichtigt werden. Dies beinhaltet im Falle eines MES die Kosten für die Hardware, Software sowie Personal- und Projektkosten:

HARDWARE-KOSTEN

  • Nettokosten der neuen MES-Hardware
  • Kosten der Hardware-Abschreibung (wiederkehrende Kosten)

MES-SOFTWARE-KOSTEN

  • Kosten für Software-Lizenzen (falls direkt erworben) für das MES und sämtliche Software-Infrastruktur (Datenbanken, Integration, Client-Lizenzen)
  • Kosten eines Lizenzvertrags (Im Falle von Software-as-a-Service) oder eines anderen Pay-per-Use-Modells
  • Software-Pflege (wiederkehrende Kosten für den Zugang zu neuen Software-Versionen und Produktsupport nach Projektabschluss)
  • Trainingskosten

MES-IMPLEMENTIERUNGSKOSTEN

  • Einmalige Kosten für Implementierung
  • Laufende Kosten für externe Dienstleistungen
  • Einmalige Kosten für interne Mitarbeiter für die Dauer des Implementierungsprojekts

MES-BETRIEBSKOSTEN

  • Wiederkehrende Kosten
  • Kosten für den Betrieb und die Verwaltung des MES-Systems
  • Upgrades, neue Lizenzen

DER ERFOLG

Sie haben also Ihre sorgfältige Überprüfung abgeschlossen, Ihre Finanzierung gesichert, Ihre Teams ausgewählt und aufeinander abgestimmt und Ihr erstes MES implementiert. Was kommt als nächstes? Wie werden Ihre Erwartungen bezüglich des ROI erfüllt?

Sehen wir uns ein paar unabhängige Untersuchungen an, um herauszufinden, was zu erwarten ist.

Laut einem MESA-Bericht haben die Anwender der MES-Systeme die Gesamtkosten pro Einheit um 22,5%, die Nettogewinnmargen um 19,4% und die termingerechte Lieferung um 22% verbessert. Für MOM-Anwender waren die Verbesserungen im Allgemeinen doppelt so hoch wie der Durchschnitt unter allen Befragten.

Ein weiterer Bericht über MES von Gartner im Jahr 2017 bietet einen genaueren Ausblick:

FAZIT

Das MES liefert die Basis und Infrastruktur für kontinuierliche Verbesserungen. Ein Bericht von Gartner aus dem Jahr 2018 zeigt eine kontinuierliche Verbesserung der Rendite auf:

Ihr MES-Projekt muss als eine Etappe auf dem Weg zur Industrie 4.0 verstanden werden. Neben ersten Erfolgen in den Bereichen Produktion, Qualität und Durchlaufzeiten wird unter anderem die Transparenz ebenso verbessert. So werden Einblicke in das operative Geschehen im Unternehmen aufgrund von Analysen und Berichten, die eine Grundlage für die meisten modernen MES-Lösungen bilden, wesentlich präziser.

Ein MES kann, wenn richtig konfiguriert und eingesetzt, durch seine globale Reichweite und Funktionalität der Prozessangleichung und Steuerung, Unternehmensintegration und -koordination sowie Mitarbeiterunterstützung dienen - somit ist es Ihr Weg zur digitalen Transformation.

Über die Autorin: MARYANNE STEIDINGER

Maryanne ist eine erfahrene Expertin für Industriesoftware. In der Vergangenheit war sie als Führungskraft in Unternehmen wie Rockwell, Camstar, Siemens, Wonderware und Schneider Electric tätig. Aktuell bekleidet Sie die Position des Head of Partner Management bei Critical Manufacturing.

Die englische Originalversion dieses Artikels von Maryanne Steidinger (veröffentlicht am 22. Juli 2020) finden Sie hier.


< zurück
Freigeben:

Like us on Facebook!

Updates abonnieren

Abonnieren

Download White paper:

Five Ways Medical Device Industry Leaders Maintain their Manufacturing Edge
by Julie Fraser, Iyno Advisors
Download