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Do-It-Yourself vs. kommerzielle Lösung: 6 Gründe, warum Sie keine eigene Software entwickeln sollten

August 04, 2020

Do-It-Yourself vs. kommerzielle Lösung: 6 Gründe, warum Sie keine eigene Software entwickeln sollten

Seitdem ich in der Enterprise-Softwarebranche tätig bin, werde ich im Laufe der Verkaufsprozesse immer wieder mit Fragen konfrontiert, ob der Kauf einer fertigen Lösung, die Entwicklung einer hochgradig kundenspezifischen Anwendung mit Hilfe von internen IT- und Engineering-Teams oder die Entwicklung von Einzellösungen auf einer Plattform unter Einsatz von knappen internen Fachressourcen sinnvoll wäre.

Dieses Argument ist nicht neu. Ende der 90er Jahre war ich Mitglied eines komplexen Software-Auswahlausschusses und habe damals schon vor ähnlichen Entscheidungen gestanden. Wie könnte ein kommerzielles, eher generisches Paket unseren Bedarf zu 100 Prozent mit einer Anwendung decken, die bereits zahlreiche Aktualisierungen, Entwicklungen und Verbesserungen erfahren hat? Am Ende des Auswahlprozesses wurde eine Lösung ausgewählt, die am besten „passte" und gleichzeitig eine Plattform bot, die mit uns gemeinsam wachsen und expandieren konnte. So konnten wichtige IT-Ressourcen freigegeben werden, die für andere Geschäftszwecke effizienter eingesetzt werden konnten.

Das Gleiche gilt für Automatisierungssoftware für industrielle Anwendungen - ein Manufacturing Execution System (MES), ein Batch-Rezeptmanagementsystem oder ein Enterprise Manufacturing Intelligence (EMI)-Portal. All diese Anwendungen sind dem Abwägungsprozess Do-It-Yourself vs. kommerzielle Lösung oder manchmal der Umgestaltung existierender Anwendungen unterworfen. Lassen Sie uns die häufigen Überlegungen in diesem Prozess genauer betrachten und auch auf die 6 Gründe schauen, warum eine kommerzielle Lösung (Commercial Off The Shelf, COTS) langfristig betrachtet sinnvoller ist:

  1. Wir verstehen unser Geschäft am besten.Es mag stimmen, Ihr Business und die Welt darum bleibt allerdings nicht ewig beständig – es werden neue Technologien eingesetzt, es entstehen neue Marktdynamiken oder es kommt zum Führungswechsel in einem Unternehmen. Möglicherweise sind Methoden, die vor 2 Jahren angewandt wurden, heute nicht mehr relevant. Ihre selbst entwickelte Software ist jedoch nicht geeignet, die neuen Plattformen optimal zu nutzen, um Ihre individuellen Geschäftsanforderungen umzusetzen.
  2. „Wir verwenden diese Software bereits seit X Jahren. Wir haben in sie investiert und sind der Meinung, dass sie zukunftsfähig ist.Allein die Kenntnis über das Produkt bedeutet nicht, dass es auf lange Sicht für gewisse Aufgaben geeignet ist. Wie lässt es sich mit anderen Anwendungen integrieren? Ist ihre Architektur offen für neue Technologien wie Cloud Hosting oder Mobilität? Haben Sie genügend Personal, das ausreichend qualifiziert und ausgebildet ist, um Änderungen zu integrieren? Die großen Anbieter von Unternehmenssoftware haben mehrere Millionen Dollar in die Entwicklung, Verbesserung und Wartung ihrer Anwendungen investiert. Wie erreichen Sie als Auftragsverarbeiter oder Hersteller das gleiche Maß an Engagement für eine Aufgabe, die nicht zum strategischen Bestandteil Ihres Gesamtgeschäfts gehört?
  3. Wir verfügen über notwendige Branchenerfahrung.Sicherlich kennen Sie sich z.B. mit der Elektronikfertigung, der Herstellung medizinischer Geräte oder anderen Herstellungsverfahren aus. Dennoch gibt es immer Anbieter, welche umfangreiche Erfahrungen in Ihrem Segment haben, die aus der Zusammenarbeit mit einer Vielzahl ähnlicher Unternehmen resultieren. Die Herstellungsverfahren oder -stile können zudem auf einer bestimmten Abstraktionsebene in verschiedene Kategorien eingeteilt werden, sodass die zugehörigen Lösungsanbieter eine große Bandbreite und/oder Spezialkenntnisse für bestimmte Kategorien abdecken. So wurden Prozesse im Gartner-Bericht Critical Capabilities for MES in Continuous, Batch/Repetitive Flow und Complex Discrete sowie in Make to Order, Engineering to Order oder Make to Stock unterteilt. Im Anschluss wurde die Fähigkeit der einzelnen Softwareanbieter bewertet, die Anforderungen der einzelnen Prozesse abzudecken. Die entstandene Matrix ermöglicht es den Unternehmen, die einzelnen Anbieter hinsichtlich ihrer wichtigsten Anwendungsfälle unter gleichwertigen Rahmenbedingungen einfach zu bewerten.
  4. „Es ist viel billiger, es intern zu bauen.“ Dieses Argument, das interne Kosten nicht als Kosten einstuft, ist ein großer Irrtum. Das stimmt nicht. Selbst wenn genügend interne Kapazitäten vorhanden sind, sind die Opportunitätskosten zu berücksichtigen - wo könnten diese Ressourcen eingesetzt werden, um den größtmöglichen Ertrag zu erzielen? Da die Größenvorteile, die sich aus der Zusammenarbeit mit verschiedenen Kunden und Projekten ergeben, für Ihr Unternehmen entfallen, müssen Sie folgendes bedenken: Interne Entwicklungen sind am Ende 2- bis 20-mal teurer als der Erwerb einer bereits existierenden Lösung auf dem Markt.
  5. Sie sind keine Software-Firma! Die meisten Unternehmen, die über ältere Systeme verfügen, verspüren ein starkes Gemeinschafts- und Erfolgsgefühl, wenn eine Anwendung, die ihren Anforderungen entspricht, entwickelt und aufrechterhalten wird. Das ändert sich allerdings. Ihre Bedürfnisse sind heute möglicherweise ganz andere als zum Zeitpunkt des Entwicklungsprozesses. Kann man es sich leisten, weiterhin in eine Anwendung zu investieren, die zu einem gegebenen Zeitpunkt zu 100 Prozent ausgereicht hat, die aber angesichts der Entwicklungen des Marktes, der Technologien oder der veränderten Anforderungen im Unternehmen inzwischen unzureichend ist? Keine Softwarefirma zu sein, bedeutet schlicht, dass man nicht den Fokus, die Investitionen, die Technologie und die Fachkompetenz mitbringt, um die Partnerschaften, die Vision und vor allem die Ressourcen für die Produktentwicklung, welche für die Nachhaltigkeit erforderlich sind, bestmöglich zu nutzen. Die klassischen Softwareunternehmen kooperieren mit ihren Kunden, sodass die Kundenbedürfnisse auch längerfristig erfüllt werden und so eine nachhaltige Zukunftsplattform entsteht.
  6. Vision und Strategie. Wo bewegt sich der Softwaremarkt hin? Von welchen neuen Technologien profitieren Sie als Hersteller? Wie können große Datenmengen, Analysen, IoT und KI (Künstliche Intelligenz) innerhalb Ihres Unternehmens effizient eingesetzt werden? Ein Unternehmen, das sich ausschließlich auf Fertigungssoftware und die aktuellen und zukünftigen Anforderungen dieser Branche spezialisiert hat, kann diese Technologien organisch in Ihr Unternehmen integrieren. Auch ein Netzwerk von externen Partnern für Beratung, Konzeption, Implementierung und Support ist somit gegeben. Diese Unternehmen übernehmen für Sie die Qualifizierung und das Training dieser externen Partner, sodass sie ergänzend zum jeweiligen Software-Anbieter agieren können.

LETZTER DISKUSSIONSPUNKT

Wir setzen unsere Lösung in Fabriken ein, die über kein MES verfügen oder in welchen das bestehende MES ersetzt werden soll. Unsere Erfahrung zeigt, die Mehrheit derjenigen, die solche MES-Projekte durchführen, versucht die selbst entwickelten Lösungen zu ersetzen, weil sie den aktuellen Geschäftsanforderungen nicht mehr gerecht werden oder nie gerecht waren.

Es scheint verlockend, eigene Fachleute heranzuziehen und ihr Wissen in maßgeschneiderten Tools und Anwendungen abzubilden. Dennoch bindet man sich langfristig an Anwendungen, die nur für einen bestimmten Zeitraum in Ihrem Unternehmen anwendbar sind. Der Erwerb eines kommerziellen Softwareprodukts stellt sicher, dass die Best Practicesdes Marktes in einem Produkt vereint sind, welches mit Ihnen mitwachsen kann, die neuesten Technologien nutzt und die bewährten Methoden Ihrer Branche abbildet.

Die englische Originalversion dieses Artikels von Augusto Vilarinho (veröffentlicht am 2. Juni 2020) finden Sie hier.


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by Julie Fraser, Iyno Advisors
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